Abschlagsrechnung erstellen: Aufbau, Pflichtangaben und Beispiel
Einleitung
In vielen Bau-, Handwerks- und Projektunternehmen entscheidet nicht nur die Höhe eines Auftrags über den wirtschaftlichen Erfolg, sondern vor allem der Zeitpunkt der Zahlungseingänge. Abschlagsrechnungen sorgen dafür, dass bereits erbrachte Leistungen während eines laufenden Projekts vergütet werden und Unternehmen ihre laufenden Kosten decken können.
Trotzdem treten in der Praxis häufig Probleme auf:
- Rechnungen werden als nicht prüfbar zurückgewiesen
- Beträge werden gekürzt
- Zahlungsfreigaben verzögern sich
- der Überblick über bereits gestellte Abschläge fehlt
Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt:
- wie eine Abschlagsrechnung aufgebaut ist
- welche Pflichtangaben enthalten sein müssen
- wie ein konkretes Beispiel aussieht
- welche Fehler vermieden werden sollten
- wie digitale Lösungen den Prozess vereinfachen
Was ist eine Abschlagsrechnung?
Eine Abschlagsrechnung ist eine Teilrechnung für bereits erbrachte Leistungen innerhalb eines noch nicht abgeschlossenen Projekts. Sie wird vor der Schlussrechnung gestellt und später mit dieser verrechnet.
Typische Einsatzbereiche:
- Bauunternehmen
- Handwerksbetriebe
- Anlagen- und Maschinenbau
- Agentur- und IT-Projektgeschäft
- sonstige projektbasierte Dienstleistungen
Ziel ist immer: Liquidität während der Projektlaufzeit sichern.
Rechtliche Grundlage von Abschlagsrechnungen
Werkvertragsrecht nach BGB
Nach § 632a BGB können Auftragnehmer Abschlagszahlungen in Höhe des Werts der bereits erbrachten Leistungen verlangen, sofern diese vertragsgemäß ausgeführt wurden.
Wichtig:
- Anspruch besteht auch vor Fertigstellung des Gesamtwerks
- Höhe richtet sich nach dem tatsächlichen Leistungsstand
- vertragliche Vereinbarungen sind maßgeblich
Bauverträge mit VOB/B
Wird die VOB/B vereinbart, regelt insbesondere § 16 VOB/B den Ablauf von Abschlagszahlungen, einschließlich:
- prüfbarer Rechnungsstellung
- Zahlungsfristen
- möglicher Einbehalte
Die konkrete Ausgestaltung ergibt sich immer aus dem individuellen Vertrag.
Pflichtangaben in einer Abschlagsrechnung
Damit eine Abschlagsrechnung akzeptiert und bezahlt wird, muss sie formal korrekt und nachvollziehbar sein.
Allgemeine Rechnungsangaben
- vollständiger Name und Anschrift von Auftragnehmer und Auftraggeber
- Rechnungsdatum
- eindeutige Rechnungsnummer
- Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID
Projekt- und Leistungsbezug
- Bezeichnung des Projekts
- Bezug auf Angebot, Vertrag oder Leistungsverzeichnis
- Beschreibung der bereits erbrachten Leistungen
- Leistungszeitraum
Betragsdarstellung
- bisherige Abschläge
- aktueller Abschlagsbetrag
- kumulierter Gesamtbetrag
- verbleibender Rest bis zur Schlussrechnung
Steuerliche Angaben
- Nettobetrag
- Umsatzsteuer
- Bruttobetrag
Fehlen diese Angaben, gilt die Rechnung häufig als nicht prüfbar, was zu Zahlungsverzögerungen führt.
Schritt-für-Schritt: Abschlagsrechnung erstellen
1. Leistungsstand ermitteln
Grundlage jeder Abschlagsrechnung ist der tatsächliche Projektfortschritt. Dieser muss:
- messbar
- dokumentiert
- vertraglich zuordenbar
sein.
2. Bisherige Abschläge berücksichtigen
Bereits gestellte Rechnungen müssen sauber aufgeführt werden, damit:
- keine Doppelabrechnung entsteht
- der Restbetrag korrekt bleibt
3. Aktuellen Abschlagsbetrag berechnen
Der neue Abschlag ergibt sich aus: Gesamtleistung minus bereits abgerechnete Beträge.
4. Rechnung formal korrekt erstellen
Alle Pflichtangaben, Steuern und Projektbezüge müssen vollständig enthalten sein.
5. Prüfbarkeit sicherstellen
Eine klare Struktur reduziert Rückfragen und beschleunigt die Zahlung.
Beispiel einer Abschlagsrechnung
Projekt: Innenausbau Bürofläche
Auftragssumme: 80.000 € netto
1. Abschlagsrechnung
- Leistungsstand: 30 %
- Betrag: 24.000 € netto
2. Abschlagsrechnung
- zusätzlicher Leistungsstand: 40 %
- neuer Betrag: 32.000 € netto
- bisher gesamt: 56.000 € netto
Schlussrechnung
- Restleistung: 30 %
- Schlussbetrag: 24.000 € netto
- Verrechnung aller Abschläge
So bleibt jederzeit nachvollziehbar, welcher Anteil bereits bezahlt wurde.
Häufige Fehler bei Abschlagsrechnungen
Rechnung nicht prüfbar
Unklare Leistungsbeschreibungen oder fehlende Mengenangaben führen zu Verzögerungen.
Fehlende Übersicht über Abschläge
Ohne kumulierte Darstellung entstehen:
- Rückfragen
- Korrekturen
- Vertrauensverlust
Falsche Steuerberechnung
Fehler bei Umsatzsteuer oder Nettobeträgen können rechtliche Probleme verursachen.
Manuelle Excel-Verwaltung
Typische Risiken:
- Rechenfehler
- Versionskonflikte
- fehlende Gesamtübersicht über mehrere Projekte
Warum strukturierte Abschlagsabrechnung wirtschaftlich wichtig ist
Regelmäßige Abschlagszahlungen sorgen für:
- stabile Liquidität
- geringere Vorfinanzierung
- bessere Planbarkeit von Material- und Personalkosten
Fehlt eine saubere Struktur, entstehen schnell:
- Finanzierungslücken
- Zeitverlust durch Rückfragen
- Konflikte mit Auftraggebern
Damit wird die Abschlagsrechnung zu einem zentralen Steuerungsinstrument im Projektgeschäft.
Digitale Erstellung von Abschlagsrechnungen
Softwarelösungen bieten gegenüber manuellen Prozessen deutliche Vorteile:
- automatische Berechnung von Abschlägen
- vollständige Projekthistorie
- transparente Restbeträge
- weniger Fehler durch manuelle Eingaben
- schnellere Rechnungsstellung
Gerade bei mehreren parallelen Projekten wird digitale Unterstützung nahezu unverzichtbar.
Software für projektbasierte Abschlagsabrechnung
Spezialisierte Anwendungen bündeln:
- Projektverwaltung
- Abschlags- und Schlussrechnungen
- Einbehalt-Tracking
- Cashflow-Übersichten
Eine solche Lösung ist AbschlagPro, eine Software zur Verwaltung von Abschlagszahlungen und Projektliquidität über unterschiedliche Branchen hinweg.
Der praktische Nutzen liegt vor allem in:
- Zeitersparnis bei der Rechnungserstellung
- klarer Übersicht über Zahlungsstände
- besser planbarer Liquidität über mehrere Projekte
Digitale Werkzeuge ersetzen keine vertraglichen Vereinbarungen, erleichtern jedoch die operative Umsetzung im Alltag erheblich.
FAQ zur Abschlagsrechnung
- Wann darf eine Abschlagsrechnung gestellt werden?
- Sobald eine vertragsgemäße Teilleistung erbracht wurde und der Leistungsstand nachweisbar ist.
- Wie viele Abschlagsrechnungen sind möglich?
- Es gibt keine feste Anzahl. Entscheidend sind Projektfortschritt und vertragliche Vereinbarungen.
- Wird die Umsatzsteuer bei jeder Abschlagsrechnung fällig?
- Grundsätzlich ja, sofern eine steuerpflichtige Leistung abgerechnet wird.
- Müssen Abschlagsrechnungen in der Schlussrechnung erscheinen?
- Ja. Alle Abschläge werden in der Schlussrechnung verrechnet.
- Lohnt sich Software für kleine Unternehmen?
- Schon bei wenigen parallelen Projekten kann Software helfen, Fehler zu vermeiden und Liquidität besser zu planen.
Fazit
Eine korrekt erstellte Abschlagsrechnung sichert nicht nur den Zahlungseingang, sondern bildet die Grundlage für stabile Liquidität im gesamten Projektverlauf. Klare Leistungszuordnung, vollständige Pflichtangaben und eine transparente Darstellung der bisherigen Abschläge sind entscheidend, um Verzögerungen zu vermeiden.
Digitale Lösungen können den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren und helfen, Abschlagszahlungen über mehrere Projekte hinweg zuverlässig zu steuern.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar.